Wortbedeutung

 

Das Wort Kathedrale kommt aus dem Lateinischen von „cathedra“, was so viel bedeutet wie „Sessel, (Lehr-) Stuhl“. Es bezeichnet die Hauptkirche im Bistum, die in der Regel ein Bischofssitz ist. Auch ist es der Ort, an dem die hohen religiösen Würdenträger lehren, die Liturgie feiern und neue Priester weihen. Die Kathedrale befindet sich immer in der Stadt, in der der Bischof des Bistums residiert.
St.-Petrus-Kathedrale von Vrhbosna

 

 

Das heutige Sarajevo war vor der osmanischen Eroberung unter dem Namen Vrhbosna, was „Oberes Bosnien“ bedeutet, bekannt. Damals stand die St.-Petrus-Kathedrale in dieser Stadt. Nach bisherigen Erkenntnissen befand sie sich vermutlich mit Blick auf die heutige Stadtstruktur irgendwo zwischen dem Stadtteil Marijindvor und dem Bach Koševo. Sie wurde erbaut von Bischof Ponsa (oder Povša), der jedoch im Jahr 1247 Bosnien verließ und nach Kroatien zu seinem neuen Sitz in Đakovo zog. Schwierigkeiten, die sich in der Zeit der osmanischen Okkupation noch verschlimmerten, zwangen ihn dazu. Ein Altarteil aus der St.-Petrus-Kathedrale wurde 1940 entdeckt. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und man nimmt an, dass dieser Stein aus der St.-Petrus-Kathedrale gerettet  wurde.  Das  Original  ist  im  Landesmuseum  in Sarajevo zu sehen, die Kopie befindet sich in der heutigen Kathedrale und dient als Ambo, also als Pult für die Lesungen aus der Heiligen Schrift und für die Predigten.

 

Erneuerung der ursprünglichen Hierarchie in Bosnien-Herzegowina

Seit dem Jahr 1878 ist Bosnien-Herzegowina Teil der sogenannten k.u.k.-Monar- chie (Österreich-Ungarn) gewesen. Mit der apostolischen Schrift „Ex hac augusta“ hat Papst Leon XIII am 5. Juli 1881 die neue Kirchenprovinz in Bosnien-Herze- gowina errichtet und die ursprüngliche Hierarchie in Sarajevo erneuert, sodass Sarajevo zur Erzdiözese mit zwei Suffragandiözesen (Mostar und Banja Luka) erhoben wurde. Zum ersten Erzbischof von Sarajevo wurde Dr. Josip Stadler ernannt, für den ein Seligsprechungsprozess in Rom im Gange ist. Er wurde am 15. Januar 1882 in sein Amt eingeführt.

 

Architekt Josip von Vancaš (1859-1937)

Im Jahr 1883 hat Josip von Vancaš den Auftrag erhalten, die Baupläne für eine neue Kathedrale zu erstellen. Zu den Vorgaben gehörte, dass sie Raum für etwa 1200 Menschen bieten und von außen einfach gebaut sein und aus Naturstein bestehen sollte. Der Architekt beendete sein Studium in Wien und kam 1884 nach Sarajevo.

 

Position der Kathedrale

Man hat länger darüber nachgedacht, wo die Kathedrale gebaut werden soll. Es scheiterte mancherorts daran, dass der sumpfige Boden kein guter Untergrund war, andernorts daran, dass der Bauplatz zu teuer war. Die Stadtverwaltung hatte schon vorher ein Marktgelände gekauft, und zwar zwischen Ferhadija und der Čemaluša Straße. Diesen Platz bot sie als Baugrund für die Kathedrale an. Dieser Ort befand sich in der Stadtmitte und war rege besucht. Also nahm man das Angebot an, benannte den Platz aber in Kirchenplatz um. Heute heißt er Fra Grgo-Martić-Platz.

 

Bauarbeiten

Die Bauarbeiten wurden dem Baron Karl Schwarz, einem Unternehmer aus Wien, anvertraut. Am 25. August 1884 eröffnete der Landeshauptmann Baron von Appel die Bauarbeiten. Die Baustelle wurde zunächst von Erzbischof Dr. Josip Stadler gesegnet. Er hat bereits zu diesem Zeitpunkt verkündet, dass die Kathedrale dem Heiligsten Herz Jesu geweiht würde. Die Bauarbeiten dauerten bis zum 9. November 1887.
An der Vorderseite der Kathedrale befindet sich eine achtkantige Rosette in zwei Reihen mit gotischen Blättern. Darunter steht die Herz-Jesu-Statue, eine bildhauerische Marmorarbeit aus Wien, die Baron Schwarz gestiftet hat. Die Kathedrale ist im neugotischen Stil erbaut, und der Architekt von Vancaš scheint die Kirche Notre Dame de Dijon (Frankreich) vor Augen gehabt zu haben. Als die Arbeiten fertig waren, wurde die Kathedrale am 14. September 1889 eingeweiht.

 

Glocken

Die Türme sind 43,20 Meter hoch, die Außenlänge der Kathedrale beträgt 41,9 Meter, die Breite 21,3 Meter. Der Erzbischof Pogačar von Laibach hat versprochen, Glocken anbringen zu lassen, aber er starb, bevor er sein Versprechen erfüllen konnte. Das übernahm sein Nachfolger, Erzbischof Dr. Jakob Missia. Die Glocken wurden in Laibach bei der Firma Samasse gegossen. Im Laufe des Ersten Weltkriegs wurden sie von staatlicher Seite entnommen, doch zwischen den beiden Weltkriegen wurden sie bei der gleichen Firma neu gegossen.

 

Vorraum der Kathedrale

Im Vorraum auf der Westseite befindet sich ein Baptisterium und auf der Ostseite der Eingang zur Empore. Im Bogen, oberhalb der Tür, erinnert eine Steintafel mit ihrer Inschrift an die Konsekration der Kathedrale am 14. September 1889.

 

Kunsteinrichtung in der Kathedrale Glasfenster

Im Sanktuarium, wo der Hauptaltar steht, von dem aus der Erzbischof oder ein Priester Messen zelebriert, gibt es fünf Glasfenster in einer Größe von 5,75 mal 1,33 Meter. Sie wurden nach Plänen des Architekten von Vancaš bei der Firma Glasmalerei in Innsbruck angefertigt. Auf dem Mittelfenster ist Christus der Gekreuzigte abgebildet, und zwar in dem Moment, als der Soldat Longin bereit war, ihn zu durchbohren. Unter dem Kreuz rechts kniet Maria von Magdala, auf der linken Seite steht die Mutter Maria, ihren Sohn anschauend, und neben ihr der heilige Johannes Evangelist. Auf dem Fenster westlich davon sitzt Jesus, und vorihm kniet ein Mensch in Volkstracht. Auf der linken Seite wieder die Mutter Maria, die auf ihr Herz zeigt, und auf der rechten Seite ein Engel. Am nächsten Fenster ist die heilige Margareta Maria Alacoque dargestellt, wie sie ein Buch liest. Zu ihr kommt Jesus und zeigt sein Herz. Am Fenster östlich von der Mitte ist eine Szene aus dem Letzten Abendmahl zu sehen, Jesus mit drei Aposteln. Das letzte Fenster stellt dar, wie Jesus sich der heiligen Juliana von Lüttich offenbart, um ihr seinen Wunsch über die Verehrungderheiligsten Eucharistie mitzuteilen.

 

Glasfenster in Nebenschiffen

Diese Glasfenster wurden in der Wiener Depen- dance der Innsbrucker Glasmalerei gemacht. In jedem Bogen sind zwei Fenster von 3,20 mal 1,04 Meter Größe. Die Ornamentik ist schlicht, im oberen Teil ist  ein Medaillon. Auf dem ersten Westfenster sind der heilige Johannes der Täufer und der Prophet Elias zu sehen. Gestiftet wurde es von der katholischen Gemeinde Sarajevos. Das erste Ostfenster stellt den heiligen Franziskus von Assisi und den heiligen Georg dar und wurde von der Katholiken aus Mostar gestiftet.
 

Altäre

Die Pläne für die Altäre und die Kanzel stammen von dem Architekten Josef von Vancaš.
Hauptaltar. Der Hauptaltar besteht aus Grisignano-Marmor, ist ein Bildhauereiwerk und in sieben Nischen geteilt. In den Nischen westlich von der Mitte stehen Statuen des heiligen Josef und des heiligen  Franziskus von Assisi, am Ende eine Engelsstatue. Inden Nischen östlich von der Mitte sind die Statuen des Erzengels Michael und des Propheten Elias zu sehen, am Ende abermals eine Engelsstatue. Oberhalb der mittleren Nische steht die Herz - Jesu - Statue. Die Altartafel  wurde aus Sancta - Croce - Marm or hergestellt. Sie liegt auf vier Säulen aus rotem Tiroler Marmor auf. Den gesamten Altar haben die Katholiken - Bürgervon Zagreb gestiftet.

 

 

Nebenaltäre

Im Westschiff befindet sich der Altar der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Muttergottes Maria, den Kaiser Franz Josef I. gestiftet hat. Im Ostschiff steht der Altar der slawischen Aposteln, der heiligen Cyrill und Methodius, der von tschechischen Katholiken gestiftet wurde.

 

Kanzel

Im Westteil des Hauptschiffs steht auf einem reich geschmückten Gestell die Kanzel. Jede von fünf Tafeln trägt ein Relief mit einem Brustbild. Auf der mittleren Tafel ist Jesus als Lehrer dargestellt, zu seinen beiden Seiten sind jeweils zwei Evangelisten.
 

Grab des Erzbischofs Stadler

Die Grabtafel des Erzbischofs Dr. Josip Stadler befindet sich an der Wand des Westturms. Gefertigt wurde sie von dem Bildhauer Marin Studin aus weißem Marmor. In der Nähe dieser Tafel liegt der Erzbischof Stadler begraben. Sein Grab besuchen viele Pilger gern, insbesondere am
8. jedes Monats, da dies an den Todestag Stadlers (8. Dezember 1918, Sarajevo) erinnert.

 

Fresken

Mit der Fertigung der Fresken wurde im Jahre 1886 der Künstler Alexander Maximilian Seitz (1811-1888) beauftragt. Er kam persönlich nach Sarajevo, um sich vor Ort persönlich ein Bild von dem Raum zu machen. Als er nach Rom zurückkehrte, teilte er aber dem Erzbischof Stadler mit, er sei krank. Dennoch machte er die Skizze. Er hat praktisch nur zwei Kartons des Domes von Đakovo kopiert. Im Jahre 1887 wurden sie fertig. Er empfahl, sie von seinem Sohn

Lodovic (1844-1908) malen zu lassen. Der Grund ist unbekannt, doch letztlich war es nicht Seitz' Sohn, der die Fresken malte, sondern Alberto de Rohden. An der Wand des Westturms ist die Krönung Mariens dargestellt. Das Bild ist zweigeteilt. Im oberen Bereich sitzen Gottvater und Jesus, zwischen ihnen kniet Maria. Über ihnen ist der Heilige Geist in Form einer Taube. In dem unteren Teil knien Vater und Mutter mit ihrem Kind, alle in bosnischer Volkstracht. Links von ihnen der heilige Franziskus von Assisi, rechts der heilige Domenikus.

An der Wand des Ostturms ist die Auferstehung des Herrn zu sehen.
Die zwei großen Bilder im Sanktuarium sind erfolgreiche Kopien von Seitz' Bildern in Đakovo.
Im Bogen an der Westwand ist Jesu Bergpredigt dargestellt, an der Ostwand die Szene, wie Moses auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote empfängt.
In acht Rundöffnungen oberhalb der Volten in dem Mittelschiff sind runde Ölbilder auf Leinwand angebracht. Darauf sind die Kirchenlehrer in Chiaroscuro- Technik dargestellt. Diese Bilder malte Lodovico Seitz in Rom. Auf der Westseite sind Darstellungen der westlichen Kirchenväter, auf der Ostseite die der östlichen, jeweils vier auf beiden Seiten. Alle Möbel aus Holz, nach Skizzen des Architekten Vancaš, wurde vom Tischler zu Sarajevo Mihalj Pregrad gemacht und alle Holzschnitzereien machte Ivan Novotný.

 

Wandmalerei

Die Wandmalerei und Ornamentik stammt von Josip Voltolini (1838-1892), Maler aus Split/Dalmatien.

 

Orgel

Sie ist ein Meisterwerk der Firma „M. Heferer – Witwe und Sohn“ aus Zagreb. Im Jahre 1886 war sie bei der Budapester Ausstellung und wurde von Experten gelobt und sogar belohnt. Die Mittel für die Orgel sammelte die Frau des Landeshauptmanns Johann Baron von Appel. Die Orgel hat eine mechanische Traktur, 2 Manuale, Pedal und 22 Register.

 

Grabgruft der Erzbischöfe von Vrhbosna

Im Ostschiff, in der Nähe des Turms, befindet sich die Grabgruft der Erzbischöfe von Vrhbosna. Dort ruhen auch Erzbischof Dr. Marko Alaupović (1885-1979), Dr. Franjo Smiljan Čekada (1902-1976) und Dr. Marko Jozinović (1920-1994).

 

Restauration der Kathedrale

Zum ersten Mal restauriert wurde die Kathedrale anlässlich ihres 50. Jubiläums im Jahr 1932. Dabei vernachlässigte man die erste Malerei im Inneren und machte eine ganz andere Dekoration, eher orientalisch. Die zweite Restauration folgte in den Jahren 1985 bis 1989. Dazu gehörten Dacharbeiten, Installationen, der Einbau einer Bodenheizung und von Feuchtigkeitsschutz. An der Dekoration wurde nichts getan, sondern alle Wände nur mit einfachen Farben angestrichen. Die dritte Restauration – die Innenarbeiten – haben am 27. September 2010 begonnen und sind am 15. Oktober 2011 beendet. Die Arbeiten führte die Firma “Color Paleta” aus Sarajevo aus. Innen erhielt die Kathedrale die ursprüngliche Aussicht, wie sie von Erzbischof Dr. Josip Stadler geplant war und veranlasst wurde. Dafür sind wir sehr Monsignore Heribert August aus Aachen dankbar: Er ist unser ehrenamtlicher Domkapitular und Wohltäter aus Deutschland.

 

Heilige Messe

Werktags um 8 und 18 Uhr,
sonntags und feiertags um 8, 9 (konventual), 10.30 und 18 Uhr.
Messe auf Englisch sonntags um 12 Uhr.

 

Telefonnummern

Pfarramt 033 215 635
Sakristei 033 210 281
Rektor der Kathedrale 033 225 591
e-Mail: mestar47@bih.net.ba

 

Bankverbindung

INTESA SANPAOLO BANKA D.D. BiH, 71000 SARAJEVO
Kontoinhaber: Vrhbosanska nadbiskupija Sarajevo – Katedrala
Kontonummer: 1549 212 002 446 558
Transaktions-Kontonummer: 1549212002446558
IBAN: BA391549212002446558+SWIFT: UPBKA22